„Hedwig and the Angry Inch“ gilt in vielerlei Hinsicht als besonderes Musical, nicht zuletzt weil die Geschichte ausschließlich von zwei Figuren – Hedwig und Yitzhak – erzählt wird. Für die Darsteller ist das eine besondere Herausforderung, doch auch die Band spielt aus diesem Grund eine wichtige Rolle. Im heutigen Blog-Post dreht sich alles um unsere Musiker, die jeden Monat unter der Leitung von Dean Wilmington (Musikalische Leitung) auf der Bühne stehen.

Rockkonzert, Theater oder Musical? Seit der Uraufführung von „Hedwig and the Angry Inch“ scheiden sich an dieser Frage die Geister. Hedwig ist von alledem ein bisschen. Theater wegen seiner starken Geschichte rund um die Suche nach dem eigenen Ich, Musical weil ein Großteil dieser Geschichte auch über die Songs transportiert wird. Zum Rockkonzert macht das Stück vor allem sein Format: Zwei Darsteller teilen sich die Bühne mit einer vierköpfigen Band – „The Angry Inch“. Und die spielt nicht nur im Titel eine wichtige Rolle.

Foto: Agnes Wiener / Niklas Wagner

Für Sebastian Muhl, Sebastian Michaeli und Jonas Wiesner sind die drei Hedwig-Vorstellungen im Monat etwas besonderes: nicht nur weil sie für die drei Studenten der Frankfurter HfMDK – der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst – genau wie für die Darsteller eine kleine Verwandlung bedeuten. „Wir stehen ja nicht wirklich als Basti, Sebastian auf Jonas auf der Bühne, sondern als Hedwigs Band, tragen passende Kostüme, Make-Up und Nagellack, was schon dafür sorgt, dass wir neben der Musik auch in kleine Rollen schlüpfen“, erklärt Gitarrist Jonas Wiesner. Der 27-Jährige spielt seit seinem sechsten Lebensjahr Gitarre, seit Jahren auch bei verschiedenen regionalen Bands und studiert derzeit im Masterstudiengang mit Schwerpunkt Jazzgitarre.

Musikalische Vielfalt

Genau wie er haben auch seine Bandkollegen ihre jeweiligen Schwerpunkte, fühlen sich aber in verschiedensten Genres zuhause. Sebastian Michaeli, der mit sieben Jahren zum ersten Mal ganz fasziniert einen Schlagzeuger auf der Bühne erlebte, begann seine musikalische Laufbahn wenig später im Musikverein mit Walzer- und Polka-Takten, ging dann zu moderneren Stilrichtungen über und lernte im Rahmen seiner Ausbildung an der Musikschule Aschaffenburg auch Klavier und Orchester-Perkussion. Neben seinem Studium zum Musiklehrer spielt er in der Jazz-Combo „The Main Thing“ sowie in der Progressive-Rockband „C309“. Zusätzlich hat der 25-Jährige auch als Studiomusiker bei diversen Alben mitgewirkt.

Sebastian Muhl / Foto: Agnes Wiener / Niklas Wagner

Die musikalische Vielseitigkeit ist auch Sebastian Muhl wichtig, der bei Hedwig als Bassist auf der Bühne steht, obwohl er sich im Studium vor allem einem Blas-Instrument – der Posaune – widmet. Die musikalische Laufbahn des 28-Jährigen begann bereits als Kind, als er seine Mutter zur Orgelbank begleitete. Er begann mit sechs Jahren mit Klavierunterricht, mit acht kam die Trompete, als Teenager der E-Bass dazu. Posaune spielt er seit vielen Jahren in der Reggae-Pop-Band „Mighty Vibes“ aus Fulda. Mit dem Musical-Genre kam er bei Hedwig bereits zum dritten Mal in Kontakt: „Ich habe in Marburg bereits drei Jahre lang in einem „Blues Brothers“ Tribute-Projekt Bass gespielt, 2016 dann gemeinsam mit Jonas in der Frankfurter Produktion „The Last Five Years“ von The Musical Season.“

Herausforderung Musical

Das Genre Rock-Musical ist für die drei Musiker eine Herausforderung, der sie sich gerne stellen. „Für mich war es spannend, zum ersten Mal über einen längeren Zeitraum eine Produktion wie Hedwig zu spielen“, erklärt Sebastian Michaeli, für den die drei Vorstellungsabende pro Monat immer wieder etwas Neues mit sich bringen: „Das Stück entwickelt sich Abend für Abend aufs Neue, was die Arbeit an Hedwig sehr abwechslungsreich macht.“ Sebastian Muhl ist das gerade zu Beginn der gemeinsamen Proben mit Band und Darstellern aufgefallen: „Wir hatten anfangs eine ganz ähnliche Perspektive, wie sie der Zuschauer bekommt, wenn er den Paradiesvogel Hedwig kennenlernt. Über die Monate entwickelt man da eine sehr spezielle Beziehung zu dem Stück und seinen Figuren.“

Von Links nach Rechts: Jonas Wiesner, Sebastian Muhl, Sebastian Michaeli / Foto: Sandra Kathe

Auch Bandkollege Jonas Wiesner freut sich über die Entwicklung, die die Musiker seit der Premiere am 19. September beobachten: „Neben den Darstellern, die jeden Abend kleine Variationen einbringen, klingt auch die Hedwig-Band immer ein Stück weit anders, auch weil sich eine Menge im Einklang mit Publikumsreaktionen entwickelt. „Wenn es am Ende ganz still wird, weil das Publikum einfach emotional mit der Geschichte mitgeht, hat das auch auf uns einen besonderen Effekt.“ Langweilig wird es darum nie!

Vorbereitung auf Green Days „American Idiot“

Auch weil sich die drei derzeit zusätzlich auf die Musik von Green Day vorbereiten. Ergänzt von der Cellistin Cornelia Walther und Gitarrist Sammy Crostewitz wird sie das Hedwig-Publikum auch bei den Aufführungen von „Green Days American Idiot“ ab 17. Januar 2018 auf der Bühne der Frankfurter Batschkapp in Aktion erleben.

Beitragsbild: Agnes Wiener / Niklas Wagner