Die Schwierigkeit einer kompetenten Kritik des Rock-Musicals liegt in vielen Fällen im fehlenden Fachwissen der Journalisten begründet, die sie schreiben. So können weder Theaterkritiker wirklich beurteilen, ob es sich bei einem Rock-Musical um gute Rockmusik handelt, noch können die Journalisten der Rockpresse beurteilen, ob es sich um gutes Musiktheater handelt.

Theater und Rockmusik – eine widersprüchliche Allianz

Zwischen Theater und Rockmusik scheint es keine wirkliche Verbindung zu geben, außerdem sind die Pressevertreter mit der Sparte, die sie vertreten, tief verwurzelt. Der Rockpresse wiederum fällt es schwer, sich anerkennend über Rockmusicals zu äußern, schließlich wollen sie weder Werbung für die Musicalproduktionen machen, noch mit diesen in Verbindung gebracht werden. Zumal Theater als Kunstform in diesen Kreisen als altmodisch betrachtet und mit Skepsis beäugt wird.

 

 

Tom D’Ambrosios unermüdlicher Kampf

Das Verhältnis zwischen Rock-Fachpresse und Rock-Musicals war also seit jeher kompliziert. Die spärliche Berichterstattung ist das Ergebnis anstrengender Arbeit und einer gehörigen Portion Glück. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass sich auch der Presseagent von „Hedwig and the Angry Inch“, Tom D’Ambrosio, lange Zeit an der Fachpresse die Zähne ausbiss. Mühsame Gespräche und ewiges Klinkenputzen dominierten seine Versuche, Vertreter der Rockpresse zu überzeugen, eine Review über „Hedwig and the Angry Inch“ zu schreiben. Das wiederum wäre sehr wichtig gewesen, um Rock-Fans von „Hedwig and the Angry Inch“ zu überzeugen. Anfangs war die Werbung mit Flyern in ortsansässigen Clubs oder Stickern in der nahen Umgebung erfolgreicher.

Rolling Stone und Pete Townshend retten die Krise

Den Durchbruch für die Anerkennung in der Fachpresse bedeutete ein im „Rolling Stone“ erschienenes Foto, das Michael Cerveris, der die Rolle von Hedwig spielte, mit dem britischen Musiker Pete Townshend, Kopf der Rockband „The Who“, zeigte. Daraufhin besuchte sogar Jann Wenner, Gründer des „Rolling Stone“, die Show. Die Unterstützung durch die Rocklegende Townshend führte letztendlich dazu, dass sich weitere namhafte Rockmagazine zu „Hedwig and the Angry Inch“ äußerten.

„In the whole, long, sorry history of rock musicals, „Hedwig and the Angry Inch“ is the first one that truly rocks.“ – Rolling Stone

„Glammy, rock-inspired theater for people who think glammy, rock-inspired theater sucks.“ – Spin

“The most exciting rock score written for the theater since, oh, ever!” – Time

Dies sind nur beispielhafte Pressestimmen, die einen wichtigen Beitrag dazu leisteten, dass “Hedwig and the Angry Inch” die verdiente Anerkennung fand. Das Rock-Musical erfuhr infolgedessen eine Wandlung vom Geheimtipp zum Broadway-Erfolg. Wer das Rock-Musical aus New York in Deutschland sehen möchte, kann „Hedwig and the Angry Inch“ ab dem 22. September 2017 in der Brotfabrik Frankfurt besuchen. Tickets gibt es hier.