John Cameron Mitchell und Stephen Trask lernten sich auf einem Flug nach New York kennen.

Die Premiere von „Hedwig and the Angry Inch“ am 22. September 2017 in der Brotfabrik Frankfurt rückt immer näher. Zeit, die Entstehungsgeschichte dieses Rock-Musicals genauer unter die Lupe zu nehmen.

In „Hedwig and the Angry Inch“ wird Rock und Musical miteinander vereint. Diese Zusammenkunft der beiden Genre steht symbolisch für das Treffen der beiden Creatives auf einem Flug von Los Angeles nach New York. Dort lernten sich nämlich John Cameron Mitchell und Stephen Trask kennen. Schnell entdeckten sie ihre gemeinsamen Interessen und entschieden sich, zusammen ein Projekt zu entwickeln. Mitchell, Theater- und Filmschauspieler, spielte in den 90er Jahren beispielsweise in Broadway-Produktionen wie „Big River“, „The Secret Garden“ und „Hello Again“. Stephen Trask war Leiter der Haus-Band des Clubs „Squeezebox“. Beide vereinte ihre Liebe zur Rockmusik und zum Theater, doch waren ihnen viele Rock-Musicals nicht radikal genug. Und so entstand die Idee, ein fiktives Rockkonzert im Musical-Theater zu spielen. John Cameron Mitchell entwickelte den Charakter Hedwig und Stephen Trask schrieb die Musik.

Von der „Squeezebox“ ins Jane Street Theatre

Das Jane Street Theatre beim Hotel Riverview stellte sich als ideale Location heraus.

Wenn neue Stücke am Broadway entstehen, werden sie häufig in Form eines Workshops oder Try-Outs getestet. Doch anstatt sich hier nach dem konventionellen Muster zu richten, testeten Trask und Mitchell, der auch die Titelrolle kreierte, ihr Musical in der „Squeezebox“ vor einem kritischen aus Drag Queens bestehenden Publikum, dem nicht der Ruf vorauseilte, jedes Gastspiel frenetisch zu feiern. Ganze vier Jahre arbeiteten Mitchell und Trask an diesem Projekt. 1997 lief das Stück für einen Monat am Westbeth Theater in Greenwich Village. Die beiden gingen danach auf die Suche nach einer passenden Location, die Theater- aber auch Rock-Club-Atmosphäre vereint. Den idealen Standort bot schließlich das Jane Street Theatre beim Hotel Riverview. (Kleine Info am Rande: Dieses Hotel diente 1912 als Notunterkunft für Überlebende der Titanic.)

„Hedwig and the Angry Inch“ hatte zu Beginn einen schweren Anlauf. Nach und nach aber machten sich die Anstrengungen der Creatives bezahlt. Neben den vorteilhaften Kritiken in der Presse wurde auch in Talk-Shows Werbung für das Rock-Musical gemacht. Auch die Besuche von Pete Townshend, David Bowie, Lou Reed, Laurie Anderson, Bob Mould und Joey Ramone trugen zur Popularität bei. Anstatt teure Anzeigen in den Printmedien zu schalten, gelang der Presseagentur ein kostengünstiger Schachzug, indem sie in Zeitschriften und Zeitungen, wie Village Voice, den New York Times und Time Out, Listen mit den berühmten Besuchern des Musicals veröffentlichten. So begann die erste erfolgreiche Spielzeit von „Hedwig and the Angry Inch“, die mit einem Obie Award und einem Outer Critics Circle Award in der Kategorie „Bestes Off-Broadway-Musical“ prämiert wurde.

Ab September 2017 ist das einzigartige Musical nun in der Brotfabrik Frankfurt zu erleben.