„Hair“ gab den Anstoß, das Rock-Musical zu etablieren.

Wie man unseren Ankündigungen, Flyern und Plakaten entnehmen kann, handelt es sich bei „Hedwig and the Angry Inch“, das am 22. September 2017 in der Brotfabrik Frankfurt Premiere feiert, um ein ROCK-Musical. Laut Duden ist ein Rock-Musical „ein Musical mit Rockmusik als Bühnenmusik“. Heute sind Rock-Musicals nicht mehr aus den Musicalmetropolen am Broadway und West Ende wegzudenken. Zwischen den 1950er und 1960er Jahren gab es die ersten Versuche, Rock-Musicals zu spielen. Doch was man einerseits als Chance hätte begreifen können, mehr Abwechslung in die Spielpläne zu bringen, löste andererseits die Angst aus, die Rockmusik könne andere Musikstile verdrängen. Es sollte noch bis 1967 dauern, bis „Hair“ das Licht der Welt erblickte und zurecht den Titel des ersten erfolgreichen Rock-Musicals trägt. „Hair“ gab den Anstoß, das Rock-Musical zu etablieren. Seitdem hat die Gattung einen festen Status in der Musical-Welt und im Laufe der Jahre viele erwähnenswerte Produktionen wie beispielsweise „Rent“ oder „Spring Awakening“ hervorgebracht.

Glam-Rock-Punk-Broadway-Sound

Viele Lieder gewinnen im Verlauf durch den Einsatz von Power Chords.

Auch „Hedwig and the Angry Inch“ gesellt sich seit seiner Uraufführung am 14. Februar 1998 im Jane Street Theater zu den erfolgreichsten Rock-Musicals. „Hedwig and the Angry Inch“ verbindet Rockmusik- und Musical-Elemente. Das Stück baut sich konzeptionell rund um das Konzert von Hedwig und ihrer Band „The Angry Inch“ auf. Hedwig führt weitestgehend einen Monolog und verbindet dadurch die elf sehr unterschiedlichen Musiknummern miteinander.

Komponist Stephen Trask orientierte sich hierbei sehr an der westlichen Popmusik. Dort findet sich nämlich die für unsere Hörgewohnheiten übliche Verse-Refrain-Struktur wieder.
So gibt es beispielsweise wiederkehrende Gitarren-Riffs und schmissige 4/4 Takte.
Viele Lieder beginnen mit akustischen Instrumenten und gewinnen im Verlauf durch den Einsatz von Power Chords auf der E-Gitarre an Tempo und Intensität, wie beispielsweise bei den Songs „Tear Me Down“, „The Origin of Love“, „Wig In a Box“ und „Wicked Little Town“. Diese Nummern sind in Anlehnung an die großen Rock Balladen der 1970er und 1980er Jahren komponiert. Das Spektrum der verschiedenen Musikstile beinhaltet auch einen bluesigen Rockabilly-Song „Sugar Daddy“, in dem die Gitarre beispielsweise gebrochene Akkorde spielt. Über die fetzigen Rhythmen mit verzerrten Gitarren schreit Hedwig ihre Texte zu „Angry Inch“ und „Exquisite Corpse“ und bereichert damit die Show durch einen Punk-Sound.

Obwohl die Musik sehr abwechslungsreich ist, wurde Stephen Trasks Leistung medial erstaunlich wenig gewürdigt. Hingegen wurde vor allem John Cameron Mitchells Performance als Hedwig sehr ausgiebig in den Medien diskutiert. Doch die Rezeption von Rock-Musicals stand ja bekanntlich noch nie unter einem guten Stern.